Interview mit Patricia Rind
Shownotes
Patricia Rind ist freie Trauerrednerin und Trauerbegleiterin und gestaltet persönliche, würdige Abschiede mit viel Empathie, Klarheit und Feingefühl. Ursprünglich kommt sie aus Kanada und lebt seit 1996 in Deutschland; nach einem BWL-Studium arbeitete sie in Führungspositionen und führte über 27 Jahre ein eigenes Unternehmen. Ihre Berufung zur Trauerrede entdeckte sie durch einen persönlichen Verlust und die starke Resonanz auf eine von ihr gehaltene Trauerrede.
Heute begleitet sie Angehörige auch in besonders sensiblen Situationen (z. B. nach Suizid oder stiller Geburt) stets authentisch und ohne Pathos. Sie ist in der Metropolregion Rhein-Neckar sowie am Tor zur Pfalz tätig.
In dieser Podcastfolge erzählt sie uns ihre Geschichte.
Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich willkommen bei Von Menschen Lernen, dem Podcast, der neugierig macht auf das, was uns wirklich weiterbringt.
00:00:08: Die Geschichten, Erfahrungen und Einsichten anderer.
00:00:12: Hier trifft Gastgeber Sven Frank auf Menschen, die etwas zu erzählen haben.
00:00:17: Experten aus unterschiedlichsten Disziplinen, inspirierende Persönlichkeiten mit ungewöhnlichen Lebenswegen oder Menschen, die durch besondere Erfahrungen geprägt sind.
00:00:28: Ob Wissenschaft, Kunst, Unternehmertum oder ganz persönliche Lebenslektionen von Menschen lernen, lädt dazu ein, inspiriert, berührt und zum Nachdenken angeregt zu werden.
00:00:40: Und jetzt viel Freude mit der heutigen
00:01:01: Folge.
00:01:02: im großen Rhein-Neckard-Reiheck und arbeitet dort als Trauerrednerin.
00:01:14: Patricia Rindt.
00:01:15: Hallo, schön, dass du da bist.
00:01:18: Guten Morgen Sven, schön, dass ich hier sein darf.
00:01:22: Ja, du bist Trauerrednerin.
00:01:25: Erzähl doch mal bitte kurz.
00:01:27: Was hast du so gemacht?
00:01:29: Man wacht ja jetzt nicht irgendwie.
00:01:31: Als zwölfjähriger Auf sieht eine Beerdigung und denkt sich, Mensch, ich möchte jetzt Trauerrednerin werden, sondern was ist so deine Geschichte, Patricia?
00:01:42: Ich bin tatsächlich nicht als zwölfjähriger Aufgewachtung Trauerrednerin zu werden, da hast du Recht.
00:01:48: Ich komme ursprünglich aus Kanada.
00:01:50: Ich habe dort BWL studiert, war in leitender Position in Unternehmen.
00:01:57: und habe mich dann in einen Deutschen verlebt.
00:02:00: Und es war nur die klassische Geschichte.
00:02:03: Frau verliebt sich und folgt Mann.
00:02:06: Also kam ich vor beinahe dreißig Jahren nach Deutschland.
00:02:10: Wir hatten eine kleine Tochter und es gab in Deutschland damals noch weniger Kinderbetreuung als hier.
00:02:18: Es war doch noch sehr Hausfrau und Mutter orientiert.
00:02:22: Und weil ich keine vernünftige Kinderbetreuung gefunden habe, habe ich dann meine eigene Firma gegründet, weil das mir flexible Arbeitszeiten erlaubt hat.
00:02:33: Und diese Firma habe ich für etwas länger als siebenundzwanzig Jahre geführt und geleitet.
00:02:40: Und ich habe mich dann ja schon etwas vorher entschlossen, dass ich die Firma gerne verkaufen würde und einen anderen Lebensabschnitt beginnen würde und habe mir dann schon während die Verkaufsgespräche liefen bzw.
00:03:01: schon ein bisschen vorher schon Gedanken gemacht, was würdest du denn eigentlich gerne tun?
00:03:07: Und habe dann so ein Schlüsselerlebnis gehabt.
00:03:13: Es war Pandemie und meine Oma, die mich großgezogen hat, ist gestorben in Kanada und ich bin im ersten möglichen Flug dahin geflogen.
00:03:25: Und nachdem meine zwei Wochen Quarantäne vorbei waren, hab ich dann für Oma die Trauerrede gehalten.
00:03:32: Untertrennen.
00:03:34: Und es war sehr schwer, aber ich ... Ja, sie war so ein sehr wichtiger Mensch für mich.
00:03:41: Und niemand kannte sie so gut wie ich.
00:03:43: Und da hab ich das gemacht.
00:03:47: Und weil das Pandemie war und Kanada ... und wir als Familie wirklich weltweit verstreut sind, also ich in Europa und der europäische Teil, also meine Familie hier, andere Familienmitglieder woanders in der Welt.
00:04:04: Wir hatten eine Video-Übertragung und ich habe danach so viel positiven Feedback erhalten, was ich mir wirklich überlegt habe, ob das, ja, das war so der erste Schritt.
00:04:19: Der zweite Schritt war, nachdem ich wiederkam, wir haben tatsächlich im Juli, in der unmittelbaren Familie, drei Trauerfälle gehabt.
00:04:31: Meine Oma war der Erste und dann war es die Familie meines Mannes.
00:04:36: Die beiden anderen Beerdigungen waren die Trauerreden wirklich schrecklich.
00:04:40: Wirklich, wirklich, wirklich schrecklich.
00:04:45: Die Geistlichen, in einem Fall haben sie nicht mal den Namen der Verstorbenen richtig hinbekommen.
00:04:50: Also der Priester hat sie Ellie genannt und nicht Ellen, wie sie wirklich hieß.
00:04:55: Das war richtig traumatisch für die Familie.
00:04:59: Und diese Puzzlesteinchen, die haben dann in mir eben nachgewirkt.
00:05:04: Und weil ich mein ganzes Leben lang beruflich sehr viele Reden gehalten habe und deswegen wusste, Das ist eine Gabe, die ich habe, weil da auch immer sehr positiver Feedback haben.
00:05:16: Und eine andere Gabe, die ich habe, ist Empathie.
00:05:20: Und ich kann mich wirklich sehr, sehr gut in Menschen hineinversetzen, ohne dass es mich selbst runterzieht.
00:05:29: Heißt nicht, dass mich schwere Schicksale nicht berühren.
00:05:34: Aber was ... Es nicht tut, ist mich runterziehen.
00:05:39: Und es ist sehr wichtig in meinem Beruf, dass man eine gewisse Objektivität behält, weil man sonst die Menschen nicht wirklich unterstützen kann.
00:05:50: Und aus diesen Puzzleteichen wurde dann der Entschluss, dass ich Trauerrednerin und Trauerbegleiterin werden würde.
00:05:59: Und ich habe meine Firma vor gut einem Jahr verkauft.
00:06:04: Und ich habe im letzten Jahr, als ich die Firma noch hatte, aber die Verkaufsübergabe schon lief, damit angefangen.
00:06:12: Und seit dem Verkauf der Firma ist das jetzt komplett mein Beruf geworden.
00:06:20: Also, die Geschichte mit deiner Oma, die berührt mich sehr.
00:06:23: Also, als du das erzählt hast, habe ich wirklich gemerkt, es ist auch nicht spurlos an dir vorbei gegangen.
00:06:31: Und ich glaube, was Wir haben ja im Vorfeld so ein bisschen darüber uns auch ausgetauscht, dass was so deine Arbeit besonders macht, du machst jetzt keine Trauerräder aus der Konserve, dass man sagt, ich sage jetzt immer das Gleiche über die Leute und mit ein bisschen Glück merke ich mir auch den Namen richtig, sondern du gehst wirklich ganz individuell auf die Menschen ein.
00:06:54: Das ist das, was du im Vorfeld ja auch so gesagt hast, was nicht ausmacht, wenn jetzt jemand zu dir kommt.
00:07:01: Wie kann man sich das dann vorstellen?
00:07:02: Die Menschen sind ja oftmals mit allem überfordert in dem Moment.
00:07:07: Das ist ja nichts, wo man eine Routine entwickelt im Beerdigen von Angehörigen oder im Abschied nehmen.
00:07:14: Sondern wenn man da beruflich nicht mit zu tun hat, dann ist das immer eine massiv Überforderung.
00:07:20: Wie läuft dann so ein Kontakt zu dir ab?
00:07:26: Also es ist grundsätzlich genau, wie du sagst, die Menschen sind in einer absoluten Situation der Überforderung und gleichzeitig kommt die Trauer.
00:07:39: Es ist tatsächlich ein Coping-Mechanismus, den wir Menschen entwickeln, dass wir in der Lage sind, ganz viele Dinge trotzdem zu erledigen.
00:07:50: Dann schieben wir die Trauer ein bisschen weg.
00:07:53: Und es ist so eine Art Shop-Zustand, in dem die Menschen agieren.
00:07:56: Und da ist es eben sehr, sehr wichtig zu sehen, wie die Menschen in welcher Situation, in welcher Verfassung, in welchem Zustand die Menschen gerade sind, weil Trauer so individuell ist und Menschen, jeder Mensch geht wirklich, wirklich sehr ... individuell auch mit um.
00:08:27: Grundsätzlich bin ich immer unterstützend dabei.
00:08:31: Die zweite Säule der Unterstützung kommt in der Regel aber auch von den Bestattern.
00:08:36: Wir arbeiten da auch sehr oft zusammen.
00:08:40: Wenn ich kontaktiert werde von Angehörigen von Hinterbliebenen, dann ist der erste Schritt immer ein Telefonat.
00:08:51: Also der Kontakt kommt, entweder werde ich angerufen oder jemand schreibt mir eine Mail, aber wir telefonieren dann und wir haben dann so ein erstes Gespräch, in dem zum einen Jahr einen Termin für das richtige Trauergespräch gemacht wird, aber auch je nachdem, ob da Fragen sind oder manchmal merke ich eben auch in diesem Gespräch, dass da schon spezifische Unterstützung hilfreich wäre.
00:09:21: Das ist immer so der erste Schritt dieses Telefonat, in dem ich mit den Hinterbliebenen spreche und auch schon den ersten Eindruck gewinne.
00:09:35: Und ich erkläre in diesem Telefonat den Angehörigen auch so ein bisschen den Ablauf.
00:09:44: Wie das ist, kommt wirklich immer auf die Situation an, weil manche Menschen sehr aufgelöst sind und wirklich sehr, sehr in Schwierigkeiten haben, Dinge in Worte zu fassen oder sich zu organisieren.
00:10:03: Und dann gibt es das Gegenteil.
00:10:06: die wirklich so hoch organisiert sind.
00:10:07: Und die sich, das merkt man dann auch, diese innere Ansprung, die sich wirklich so mit aller Kraft noch zusammenhalten.
00:10:13: Also da gibt es das ganze Spektrum.
00:10:15: und dann gibt es aber auch die Situationen, wo der oder die Verstorbene eben vielleicht kein wirklich sehr netter Mensch war.
00:10:23: Und dann schwingen da noch andere Emotionen mit.
00:10:26: Also das ist immer eine sehr komplexe Sache.
00:10:29: Der zweite Schritt ist, ich treffe mich mit den Hinterbliebenen.
00:10:34: Das ist ein Ort der Wahl der Hinterbliebenen.
00:10:37: Meistens ist es bei denen zu Hause.
00:10:42: Manchmal ist es ein Café oder ein Restaurant, wenn Menschen sich in einer neutralen Umgebung treffen möchten.
00:10:52: Manchmal ist es auch ein Videocall oder ein Teilvideocall, je nachdem, wo die Hinterbliebenen leben.
00:11:01: Dass ich dann zum Beispiel ... zu jemandem nach Hause gehe, aber dass andere dann eben per Videokonferenz dazu geschaltet sind.
00:11:10: Also das ist dann ganz, ganz unterschiedlich.
00:11:13: Und dann sprechen wir.
00:11:16: Also ich habe eine Liste von Fragen, die ich über die Zeit erarbeitet habe.
00:11:24: Das ist jetzt nicht, dass ich dann Fragenkatalog abarbeite.
00:11:29: Aber Die Fragen sind hilfreich, um Menschen zu fokussieren ein bisschen, aber auch Menschen sind in einem Gefühlschaos.
00:11:44: Und dann ist es ganz oft, dass ihnen wirklich nichts einfällt.
00:11:48: Und deswegen ist es dann gut, wenn deine Frage kommt, die dann eben so zum Nachdenken.
00:11:59: ein Lädt und die die Menschen dann eben ja teilweise auch ein bisschen zur Ruhe bringt.
00:12:07: und wir sprechen miteinander und es ist sehr oft viel Weine natürlich, es ist aber auch ganz oft Lachen, wenn man sich an irgendwas Schönes oder Lustiges oder was auch immer erinnert und dieses
00:12:24: Gespräch
00:12:25: hat kein Zeitlimit.
00:12:26: Also in der so normalen Anführungsstrichen im Schnitt dauert das mindestens zwei Stunden.
00:12:33: Ich bin aber auch schon viel länger da gesessen, weil das auch Traurbegleitung ist.
00:12:38: Und manchmal ist es einfach auch für die Menschen ganz, ganz wichtig.
00:12:42: Das sagen mir viele Menschen auch, dass man ihnen zuhört.
00:12:46: Und ich hatte auch schon Situationen, wo es eben der oder die Verstorbene ein schwieriger Mensch war.
00:12:54: und die Hinterbliebenen unter diesen Menschen auch gelitten haben.
00:12:59: Und wenn mir dann eine Witwe sagt, die vierzig Jahre von ihrem Mann drangsaliert wurde, es hat mir so gut getan, dass sie mir zugehört haben, dann atme ich da schon innerlich ein bisschen durch und freue mich aber auch, dass ich dann dieser Frau etwas geben konnte, das ihr ein bisschen geholfen hat.
00:13:19: Also das ist ganz, ganz unterschiedlich.
00:13:23: Und dann gehe
00:13:24: ich... Ja, ganz kurz.
00:13:26: Es ist ja tatsächlich oft so, dass man das Gefühl hat, es sterben immer nur die Guten.
00:13:31: Also diese ganzen Schurken, die sieht man, hört man nie davon.
00:13:37: Machst du in der Trauerrede, wenn jetzt oder kann man ja gleich noch darauf eingehen, wenn du zu Ende ausgeführt hast.
00:13:44: Aber gerade dieses Thema, die Frau erzählt ihr, mein Mann war ein Tyrann oder mein Mann war auch aggressiv vielleicht, hat mich misshandelt oder so.
00:13:54: Ja.
00:13:54: So eine andere schlimme Dinge passiert.
00:13:58: Ist das ein Thema?
00:14:00: Ja.
00:14:01: Darf man einen Toten im Nachhinein noch negativ bewerten?
00:14:06: Das ist ja oft so eine Frage, vor die sich viele scheuen.
00:14:09: Es ist ja oft so, dass man immer das Gefühl hat, Tote sind unangreifbar.
00:14:14: Wie erlebst du das?
00:14:16: Also ich sehe das ganz anders tatsächlich.
00:14:18: Ich schreibe da auch oft drüber.
00:14:20: Also grundsätzlich ist es so eine Trauerrede.
00:14:23: muss ehrlich sein.
00:14:25: Weil Lügen niemand hilft.
00:14:28: Aber und jetzt kommt mein ganz ganz großes Aber.
00:14:33: Sie darf keine Abrechnung sein.
00:14:35: Wenn eine Trauerrede eine Abrechnung ist und die habe ich schon erlebt, dann traumatisiert das.
00:14:41: Das ist nicht gut.
00:14:43: Sie darf auch nicht schonungslos sein, weil das dann schon wieder in Richtung Abrechnung geht.
00:14:49: Das ist tatsächlich ein Ballonsakt.
00:14:51: Ja, ehrlich zu sein, ohne abzurechnen, ohne schonungslos zu sein.
00:14:58: Ich sage da immer Klippen umschiffen und da bin ich tatsächlich sehr geübt drin.
00:15:03: Und es ist wichtig, dass man, ich sage es jetzt mal so, ein Mann, der seine Frau tyrannisiert, rangsaliert und ja, viele Jahre lang im wahrsten Sinne des Wortes gequält hat, sie liebt ihn aber.
00:15:19: Ja, man hat da ja auch diese klassische psychologische Situation, diese Abhängigkeit.
00:15:25: Also diese Frau hat wirklich unter einem Mann gelitten.
00:15:28: Das ist auch etwas, das mir vor gar nicht so langer Zeit passiert ist.
00:15:31: Und ich bin dann wirklich danach heimgegangen und habe mir erst mal eine Tastee gemacht.
00:15:35: Also das war hart.
00:15:37: Und dann hat sie hat mir wirklich ganz, ganz lange von dieser wirklich entsetzlichen Ehe erzählt.
00:15:45: Und gleichzeitig kam dann immer wieder der Satz, das erzähle ich aber nur Ihnen, das dürfen Sie bitte nicht in die Trauerrede tun.
00:15:52: Und dann kam immer wieder der Satz, er war so gemein, aber manchmal war er auch lieb.
00:15:59: Und dann kommen wir nämlich da schon zum nächsten Schritt.
00:16:04: Also nach diesem Gespräch schreibe ich sehr zeitnah die erste Fassung der Rede.
00:16:13: weil ich die eben individuell schreiben will, spiegelt die eben auch diesen Menschen wieder.
00:16:18: Und jetzt in diesem Fall zum Beispiel habe ich über seine berufliche Laufbahn und seine Hobbys gesprochen und weil ich über so viele Dinge nicht sprechen durfte, habe ich mich tatsächlich dieser Frau in der Rede auch gewidmet.
00:16:36: Also sie hat tatsächlich einen großen Anteil in der Trauerrede bekommen, weil sie sich so aufopfernt.
00:16:43: um ihren Mann gekümmert hat.
00:16:45: Er war dann die letzten Jahre seines Lebens, war auch ein Pflegefall und das war auch sehr, sehr unschön, was da passiert ist.
00:16:53: Aber diese Frau war richtig aufopfernd.
00:16:57: Und deswegen hat sie tatsächlich, und ihre Liebe zu ihrem Mann, habe ich ihren sehr, sehr großen Redeanteil gegeben, was ja normalerweise nicht der Fall wäre.
00:17:11: Aber für sie war diese Rede und tatsächlich auch für die anderen Angehörigen und auch für die Kinder war diese Rede am Ende sehr tröstlich, weil ihre Mutter gesehen wurde.
00:17:25: Und das ist mein Job.
00:17:27: Mein Job ist, ich versuche etwas zu trösten.
00:17:31: Und wie ich tröste, wie meine Rede tröstet, das kommt dann halt wirklich auf den Menschen an, über den ich spreche.
00:17:38: Und das sind wir halt jetzt dann wieder bei dem Schritt Redeschreiben.
00:17:42: Eine Rede zu schreiben dauert viele, viele Stunden.
00:17:46: Also im Schnitt brauche ich ungefähr ja irgendwo sechs bis zehn Stunden für die fertige Rede.
00:17:55: Und das sind mehrere Schritte.
00:17:57: Also der erste passiert wirklich sehr zeitnah nach dem Gespräch, wenn alles noch sehr frisch ist.
00:18:03: Und dann schreibe ich erst mal los.
00:18:06: Und diese Rede ist grundsätzlich immer zu lang.
00:18:09: Also egal, wie viel Redezeit ich habe, sie ist immer zu lang.
00:18:14: Und dann lasse ich die Rede erst mal, je nachdem wie viel Zeit ich habe.
00:18:18: Also manchmal ist es ja so, wenn es eine Erdbestattung ist, dann hat man sehr wenig Zeit zwischen Tod und Beerdigung.
00:18:27: Bei Feuerbestattungen, Einerscherungen hat man etwas mehr Zeit.
00:18:32: Das kommt auch so immer ein bisschen drauf an, wenn ich nur eine Woche Zeit habe.
00:18:36: Kann die Rede natürlich nicht so lange sacken, wie wenn ich etwas mehr Zeit habe.
00:18:40: Aber ich lasse der Rede mindestens einen Tag Zeit.
00:18:46: Und dann schaue ich sie mir wieder an.
00:18:49: Und dann kürze ich auch schon und verfeine.
00:18:55: Und lasst sie dann meistens noch mal in Ruhe und geht dann etwa später, je nachdem wie gesagt, wie viel Zeit ich habe, entweder noch einen Tag oder zwei Tage später oder mehrere Stunden.
00:19:06: Aber für mich ist es immer ganz wichtig, dass ich von der Rede immer noch ein bisschen Abstand habe, um sie dann noch mal anzuschauen.
00:19:15: Und ich muss die Rede Minuten genau halten.
00:19:18: Also das ist eine wichtige Herausforderung bei Trauerfeiern.
00:19:24: Je nachdem... Also so... Ich sage mal übliche Normale, wenn man eine Trauerfeier in der Trauerhalle an einem Friedhof hat, dann hat man einen halben Stunde Zeitslot.
00:19:36: Und die Angehörigen wollen ja auch oft noch Musik dazu haben.
00:19:40: Heißt, ich arbeite die Musikstücke dann auch in die Rede ein, das haben wir dann auch alles abgesprochen.
00:19:46: Ich habe dann die genaue Länge der Musikstücke und daran muss ich die Rede anpassen.
00:19:51: Also wenn wir Musik haben, die sieben Komma fünf Minuten dauert, dann darf meine Rede nur zwanzig Minuten sein.
00:20:00: Und deswegen muss ich die Rede wirklich punktgenau, minutengenau hinbekommen.
00:20:05: Und je nachdem, wie die Situation ist, ist das schon manchmal ein sehr herausfordernder Prozess, gerade wenn es ein volles schönes Leben war zum Beispiel, dass man da alles unterbringt.
00:20:22: Und trotzdem eben, wie sie Zeitvorgaben hält.
00:20:25: Also generell ist es tatsächlich so, die Kürzer der Rede, die ist so schwieriger,
00:20:30: ist es,
00:20:32: die Rede zu schreiben.
00:20:33: Und wenn ich dann zufrieden bin mit der Rede, dann kommt dann die Trauerfeier und meistens dann die Beerdigung im Zuge der Trauerfeier.
00:20:48: Manchmal ist es so, dass dass eine Bestattung woanders stattfindet, zum Beispiel bei einer Seebestattung oder bei einer Waldbestattung, wo die Menschen die Trauerfeier aber nicht im Wald möchten, sondern drinnen und die Bestattung kommt dann später.
00:21:03: Das ist so ein bisschen unterschiedlich.
00:21:06: Aber dann halte ich eben die Rede.
00:21:09: Wenn die Trauerfeier zusammen mit der Bestattung ist, dann gehe ich natürlich mit der Familie ans Grab.
00:21:15: Und ich leite auch die Trauerfeier.
00:21:18: Also die Einsätze der Musik, wann was gemacht wird, das steuer ich dann, spreche ich mich dann auch vorher mit den Organistinnen und Organisten.
00:21:29: Also die handeln die Musik immer in der Trauerhalle, spreche ich mich dann auch ab und mit den Bestattern natürlich und mit den Friedhofsmitarbeitenden.
00:21:37: Und am Grab leite ich dann auch die Beisetzung.
00:21:43: Manchmal oder sehr oft, also auch natürlich spreche ich das mit den Angehörigen ab, ein Vater unser und oder ein Gedicht.
00:21:53: Auch in der Trauerrede selbst möchten Menschen sehr oft christliche Elemente, weil es tatsächlich so ist, dass viele Menschen aus dem einen oder anderen Grund nicht mehr in der Kirche sind, aber durchaus christlichen Glaubens und die möchten dann auch ganz gerne eben christliche Elemente in der Rede haben und das ist für mich sehr gerne.
00:22:15: Also ich leite dann eben auch die Beisetzung am Grab und dann gehe ich und im Nachgang schicke ich den Angehörigen auch immer die Rede.
00:22:28: Die Rede ist ein Unikat, deswegen schicke ich die auch raus.
00:22:33: Und mir wird auch immer wieder gespiegelt, dass das für die Angehörigen ein großer Trost ist.
00:22:40: Die Rede dann nachher noch mal zu lesen.
00:22:42: Viele sagen, sie lesen sie auch immer wieder.
00:22:45: Mir hat jetzt gerade eine Tochter.
00:22:51: Ich hab beide Eltern von einem knappen Jahr beerdigt.
00:22:54: Also zuerst der Papa, und dann zwei Monate später kam die Mama.
00:22:59: Passiert oft tatsächlich bei Menschen, die lange zusammen waren, dass Eheleute oder Partner sich sehr schnell folgen.
00:23:07: Und die hat mir jetzt auch ganz lieb geschrieben, dass sie eben die Rede immer wieder liest, beide reden, und dass sie sich dann ihren Eltern so nachfüllten.
00:23:16: Das ist natürlich sehr, sehr schön.
00:23:20: Also, wenn ich das richtig verstehe, ist deine Trauerrede sowohl eine Würdigung des Verstorbenen als auch eine Hoffnung machen für die Hinterbliebenen, oder?
00:23:32: Grundsätzlich immer, ja.
00:23:34: Also, was ich nie mache, ich nie Patos.
00:23:38: Die Menschen sind traurig genug, die Weinen genug.
00:23:40: Ich finde Patos ganz schrecklich.
00:23:43: Generell finde ich Patos schrecklich.
00:23:46: Meine Aufgabe ist es, eine schreckliche Zeit, ein ganz kleines bisschen weniger schrecklich zu machen.
00:23:54: Und die Trauerfeier ist der erste Schritt auf dem Weg ohne diesen Menschen.
00:24:00: Egal, ob der Mensch gut oder nicht so gut war, aber es ist der erste Schritt.
00:24:06: Und deswegen ist es so wichtig, sehe ich es persönlich als so wichtig an, dass die Feier und die Rede diesen ersten Schritt ja gut macht, tröstlich macht.
00:24:20: und deswegen zu deiner Frage zurück mit Abrechnung, die macht die Menschen nur, das ist schrecklich, aus psychologischer Sicht gesehen, sowas macht die Menschen ja fertig, das darf man nicht.
00:24:33: Ja, eine Frage, die mir jetzt noch kam, als du so erzählt hast, Da ist dann überhaupt kein Pfarrer oder kein Priester dabei, wenn du das alleine machst, weil du gerade erzählt hast, wie du das so organisierst.
00:24:46: Das heißt, findet das dann außerhalb von Kirchen statt oder auch in der Kirche.
00:24:51: Siehst das dann so, dass die Angehörigen dich wählen anstelle eines Priesters oder ist der noch irgendwo im Hintergrund?
00:24:59: Nein, anstelle.
00:25:01: Also generell wählen Menschen mich, weil sie ihn weder keinen kirchlichen Bezug mehr haben.
00:25:08: Also da ist das Spektrum wirklich von, ich glaube nicht an Gott, ich will nichts mit Gott zu tun haben und das soll auf gar keinen Fall irgendwie auftauchen, zu das andere Spektrum.
00:25:19: Ich bin eigentlich tiefgläubig, aber mein Mann war geschieden und deswegen durften wir nicht in die Kirche.
00:25:26: Und also da ist wirklich so dieses ganze Spektrum dabei.
00:25:29: Die meisten Menschen sind irgendwo da drauf.
00:25:35: Das pass ich dann an.
00:25:37: Also für die, für die, das was, was, da kommt diese, diese Gabe der Empathie und es zwischen den Zeilen lesen auch.
00:25:46: Also mir, mir sagen Leute auch immer wieder, ich hätte Dinge aufgegriffen, wo sie gar nicht sich bewusst waren, dass sie das gesagt haben und dann, dass das so, dass sie das so wunderbar fanden, dass ich eben diese Zwischentöne aufgreife.
00:26:02: um dann eben daraus was zu formen.
00:26:06: Und das ist halt wirklich eine Gabentalent.
00:26:08: Und da bin ich auch wirklich dankbar für, dass ich das eben kann.
00:26:12: Und dann stellt sich halt auch manchmal heraus, dass der Trost den Menschen vielleicht brauchen, ganz woanders liegt, als sie vielleicht denken.
00:26:20: Das ist auch ganz interessant.
00:26:23: Ja.
00:26:25: Gab es denn ein Ereignis, dass die besonders... Hängt geblieben ist, eine Trauerrede oder eine Situation, wo du sagst, das hat dich tief beeindruckt?
00:26:35: Tatsächlich ja und das war auch relativ am Anfang meiner professionellen Laufbahn.
00:26:41: Also ich habe ja, das habe ich anfänglich nicht so erwähnt, ich habe Reden, Trauerreden und manchmal auch Hochzeitsreden im privaten Umfeld schon lange gehalten.
00:26:53: Meistens nicht so eine ganze Trauerrede, aber ein Teil davon.
00:26:59: Als ich das dann anfing, professionell zu machen, also mein eindrücklichstes Erlebnis bisher war die Rede vor der Lehren Trauerhalle.
00:27:10: Und wie gesagt, das war relativ am Anfang meiner professionellen Laufbahn als Trauerrednerin und Trauerbegleiterin.
00:27:20: Das war so ein richtig schwieriger Mensch.
00:27:22: Also, er war kein netter Mann.
00:27:28: Er hatte, ja, seine Ehe scheiterte wegen vieler Frauengeschichten.
00:27:35: Er war ein sehr harter Mann, er hatte einen Sohn und dieser Sohn, ja, es war einfach ein sehr, er war ein sehr harter Mann und der Sohn hat sehr gelitten, die Mutter des Sohnes hat sehr gelitten, die Ehe scheiterte.
00:27:52: Der Sohn war beruflich sehr erfolgreich.
00:27:55: Aber nicht in einem Feld, das dem Vater gefiel.
00:27:59: Der Sohn hatte zwei Kinder, die der Vater nie gesehen hatte.
00:28:04: Also es war eine wirklich traurige, schwierige Situation.
00:28:10: Und ich hab mich... Das heißt,
00:28:11: es war außer dir nur der Sohn da oder...
00:28:14: Nee, nee, nee, nee.
00:28:15: Es war niemand da.
00:28:16: Also das war halt dann die Sache.
00:28:18: Ich hab mich... mit dem Sohn getroffen und die Bestattung fand an einem Hauptfriedhof in einer Großstadt im Gebiet hier statt.
00:28:26: Ich sag jetzt nicht welche.
00:28:28: Bei Hauptfriedhöfen sind die Trauerhallen riesig.
00:28:32: Das muss man sich immer vor Augen halten.
00:28:35: Das sind sehr, sehr große Hallen.
00:28:38: Und ich hab mich dann mit dem Sohn getroffen.
00:28:43: Das war auch eine schwierige Rede, weil er über viele Jahre auch gar keinen Kontakt zu seinem Vater hatte.
00:28:49: Er meinte dann, er würde mit seiner Familie kommen, wer sonst noch kommen würde, das wüsste er nicht, weil sein Vater eben kein Mensch war, der wirklich viele Freunde hatte, weil er halt so war, wie er war.
00:29:06: Und ich hab dann die Rede geschrieben und alles war organisiert und eine halbe Stunde vorher bekam ich eine SMS vom Sohn, sie würden doch nicht kommen, er kriegt es nicht hin.
00:29:18: Also emotional zu schwierig.
00:29:20: und dann kam ich an und da war niemand.
00:29:26: Da war niemand.
00:29:27: Also es war diese riesengroße Trauerhalle und es wurde dann irgendwann doch klar, dass niemand kommen würde.
00:29:36: Und
00:29:39: dann hast du dich trotzdem entschieden?
00:29:41: Ja.
00:29:42: Ja,
00:29:43: ich finde das großartig.
00:29:45: Also die Mitarbeitenden des Bestarters, da waren drei und die haben gesagt, Mensch lass das.
00:29:52: Ja, komm, wir machen jetzt die Beerdigung.
00:29:55: Und ich habe wirklich, ich stand dann da und mir ging alles Mögliche durch den Kopf und am Ende hatte ich dann zwei Gedanken.
00:30:03: Das eine war, das war kein guter Mensch, aber Für mich ist so ein Leitzitz wirklich die Würde des Menschen ist unantastbar.
00:30:09: Und ja, er war gemein, er war nicht gut, er war nicht lieb, er war nicht nett, aber er war ein Mensch und ein Mensch hat Würde.
00:30:18: Und das andere war, das ist dann die Geschäftsfrau, die BWL-Rin, die Unternehmerin, die langjährige, die hat gesagt, ich bin dafür bezahlt worden.
00:30:27: Ich bin für eine Leistung bezahlt worden.
00:30:30: Für mich, für meinen Ethos, ich muss die dann auch erbringen.
00:30:33: Also das war so ein ganz komisches Gefühlsgemäßch.
00:30:36: Lange Rede kurz zu sehen, ich bin dann da raus und ich habe tatsächlich unterschwellig immer noch gehofft, es würde noch irgendjemand kommen mit Verspätung, wie auch immer, kein Parkplatz gefunden.
00:30:47: Und ja, der Eugen ist Spielte Bach.
00:30:52: Dann kamen die drei vom Bestattungsinstitut und die haben sich dann da reingesetzt nach fünf Minuten oder so, weil ich glaube, ich tat ihnen leid.
00:31:01: Aber ich habe wirklich, also abgesehen von den drei vom Bestattungsinstitut, von dieser riesengroßen leeren Hall eine Rede gehalten oder meine Rede gehalten und bin dann auch noch ans Grab und ich hatte mit dem Sohn abgesprochen, dass ich den Vater unser sage und ich habe auch das Vater unser gesagt.
00:31:22: Ich bin zufrieden weggegangen.
00:31:26: Also, anders kann ich das nicht sagen.
00:31:28: Und das ist wirklich das Eindrücklichste.
00:31:31: Aber es war für mich dann gut so.
00:31:34: Wow, das klingt so wie in der Weihnachtsgeschichte, oder?
00:31:37: Mit Scrooge von Charles Dickens.
00:31:39: So diese Beerdigung, die ihm in Aussicht gestellt wird.
00:31:42: Ja.
00:31:43: Ja.
00:31:45: Aber es war jetzt nicht so, dass du da in dieser Kirche standest und das Gefühl hattest, dieser Verstorbenes.
00:31:52: irgendwie anwesend und du gibst ihm jetzt noch mal die Chance, auf sein Leben zurück zu blicken und sich zu überlegen, ob er vielleicht von dort, wo er jetzt ist, noch irgendwie was besser macht?
00:32:05: Nein, die Toten sind tot.
00:32:09: Und egal, also ich bin sehr christlich geprägt, aber auch da sind die Toten nicht mehr da, nicht mehr hier.
00:32:18: Ja, die Toten sind woanders.
00:32:21: Und Es war wirklich so.
00:32:29: am Ende der Grundgedanke.
00:32:31: Und das ist der Grundgedanke, den ich immer habe.
00:32:35: Jeder Mensch, auch wenn er wirklich ein ganz furchtbarer Mensch ist.
00:32:41: Es ist immer noch ein Mensch und ich bin auch schon manchmal gefragt worden, ob ich Trauer reden und dann kommt irgendein Name von irgendjemandem ganz entsetzlichen halten würde.
00:32:53: Und meine Antwort ist generell, ich halte die Rede nicht für die Toten, ich halte die Rede für die Lebenden.
00:33:00: Und in diesem Fall habe ich tatsächlich auch eine Rede für die Lebenden geschrieben, für den Sohn, für seine Familie.
00:33:07: Dass am Ende, die die Rede nicht gehört haben, ich habe ihm die Rede aber geschickt.
00:33:11: Er hat mir nicht geantwortet.
00:33:13: Aber es war für mich immer noch der Gedanke, der Mensch war nicht nett, aber ... Und nochmal, ich musste die Entscheidung ja auch sehr schnell treffen.
00:33:30: Also, es war ja, na, ich konnte ja da auch jetzt nicht.
00:33:34: Und niemand wusste wirklich, weil wir hatten das alle noch nie so erlebt.
00:33:38: Ja, und niemand wusste wirklich, was man da tut.
00:33:41: Weißt du, was ich mein?
00:33:42: Man hat ja oft irgendwelche Conventionen oder Vorlagen wie man.
00:33:48: Und ich habe dann einfach, aber für mich hätte es sich falsch angefühlt, die Rede nicht zu halten.
00:33:53: Also und danach habe ich mich, danach habe ich, ich habe das Gefühl gehabt, es war richtig.
00:33:59: Und deswegen habe ich das dann so gemacht.
00:34:01: Prima.
00:34:03: Ja, noch eine Frage jetzt so, was wäre denn, wenn jetzt so jemand zuhört und vielleicht auch davon ausgeht, dass er demnächst betroffen ist von sowas, was wäre denn so eine Entscheidung, die man jetzt treffen oder klären sollte, dass im Falle einer Trauer dann nicht mehr so viel Fragen offen sind oder es vielleicht auch leichter wird, diesen Moment zu überstehen.
00:34:33: Ich frage normalerweise frei, was ist die eine Sache, die es leicht und überflüssig macht, aber das passt hier nicht.
00:34:38: Also was ist so das eine, was man tun könnte, vorausschauend auf eine mögliche Situation, die unerwartet oder planbar kommt, wenn man selbst betroffen ist?
00:34:51: Also ich habe da wirklich eine Antwort, die ich dann noch erkläre, und das eine Wort ist Vorsorge.
00:34:59: Und Vorsorge bedeutet Macht oder macht eure Wünsche klar.
00:35:08: Ich fülle da jetzt aber noch ein paar Dinge aus, also bespricht mit eurer Familie, mit euren Freunden, wer auch immer übrig bleibt in Anführungsstrichen.
00:35:20: ihr wollt.
00:35:22: Und es ist ganz wichtig, das nicht einfach zu entscheiden, sondern das zu besprechen.
00:35:29: Also zum einen ist es dann ganz klar, weil ganz viele Menschen sitzen mit mir zusammen und fragen immer wieder, ich weiß nicht, was ich gewollt hätte, ich weiß nicht, was ich hier machen soll, ich weiß nicht, ich weiß nicht.
00:35:42: Und deswegen ist es wirklich gut, dieses ich weiß nicht wegzuräumen.
00:35:47: Das andere ist aber bespricht es mit euren Angehörigen oder wer auch immer da bleibt.
00:35:54: Weil manchmal treffen Menschen Entscheidungen und meinen, sie machen es ihren lieben Menschen leicht.
00:36:02: Die Entscheidungen sind für diese Menschen ganz falsch.
00:36:05: Und da habe ich jetzt zwei Beispiele, die das, glaube ich, ganz gut machen.
00:36:10: In einem Fall war es eine Frau, die eine Krebsdiagnose bekam.
00:36:14: Und der Krebs war schon sehr, sehr weit fortgeschritten.
00:36:16: Und es war ganz klar, da konnte man nichts mehr tun.
00:36:19: Und sie hat ohne ihren Mann oder ihre Kinder zu konsultieren mit einem Bestattungsunternehmen.
00:36:27: Alles geregelt.
00:36:28: Und unter anderem, was sie geregelt hat, war ein Wiesengrab.
00:36:31: Also ein Wiesengrab ist ein Grab auf einer Wiese am Friedhof.
00:36:35: Und die Wiese ist generell schön.
00:36:40: Das sind Bäume und so.
00:36:42: Man hat aber keinen Grabstein.
00:36:43: Man hat irgendwo am Rande eines Abschnitts entweder so ein Feld am Boden mit Name.
00:36:52: Daten drauf, was man halt möchte oder man hat irgendwo eine Säule, aber man hat kein Grab.
00:37:00: Und natürlich können sich Angehörige merken, wo man ist, aber man hat kein Grab.
00:37:06: Und das hatte sie geplant und sie wollte es ihrer Familie einfacher machen.
00:37:10: Aber ihr Mann ist daran, als es erfahren hat und er hat es erst nach ihrem Tod erfahren, beinahe zerbrochen.
00:37:17: weil er unbedingt mit ihr zusammen in ein Grab irgendwann mal wollte.
00:37:21: Und es war nicht mehr möglich, weil das Grab, das sie gekauft hatte, da waren die Gräber drum herum schon vergeben.
00:37:29: Und es war gar nicht so schlimm für ihn, dass es das Wiesengrab war, wobei er hat sich ein normales Grab eigentlich einen Unengrab gewünscht gehabt.
00:37:37: Aber der Gedanke, dass er nicht zu seiner Frau kam, kommen könnte.
00:37:42: Daran ist der Mann in seiner Trauer beinahe zerbrochen.
00:37:45: Das war furchtbar.
00:37:49: Und ein anderes Beispiel ist, da hat sich der Sohn über die Eltern hinweggesetzt.
00:37:54: Einzelkind und liebevolle Eltern.
00:37:56: Und die wollten, aber die hatten es nirgends festgelegt, Gott sei Dank, und geplant.
00:38:00: Die haben nur immer wieder gesagt, wir wollen eine Seebestattung.
00:38:07: Als dann der Vater zuerst starb, und da war die Mutter aber schon, ja, sie war demenzkrank und sie war nicht mehr wirklich ansprechbar.
00:38:19: Und da hat der Sohn festgestellt, er erträgt keine Seebestattung, er braucht einen Ort, wo er hingehen kann.
00:38:25: Und er hat sich dann über den Wunsch seiner Eltern hinweggesetzt und hat den Vater zuerst eine Mutter starb kurz danach beide auf dem Friedhof eben bestatten lassen.
00:38:36: Und er hatte auch da, und das von mir lange besprochen, ein fürchterlich schlechtes Gewissen, weil er sich über die Wünsche seiner Eltern hinweggesetzt hat.
00:38:48: Aber für ihn war der Gedanke, kein Grab zu haben, wo er hingehen konnte unerträglich.
00:38:52: Und ich hab ihm dann, also wir haben das dann so ein bisschen zusammen auch erarbeitet.
00:38:58: Ich hab ihm dann vermittelt, also seine Eltern haben diese Wahl getroffen, weil sie ihn liebten, weil sie ihn entlasten wollten.
00:39:05: Und aus dieser Liebe heraus würden sie auch verstehen, dass er das nicht so gemacht hat.
00:39:11: Aber beides sind eben Beispiele, die zeigen, dass man nicht einfach sowas entscheiden soll, sondern man sollte die anderen mit einbeziehen.
00:39:21: Und man kann sehr viel auch im Voraus schon festlegen.
00:39:25: Ich mache sogar Trauerredenvorsorge, wo Leute sich ihre Trauerrede zu Lebzeiten schreiben lassen.
00:39:31: Die ist dann natürlich offen und wir können die später noch ergänzen.
00:39:34: Aber dann haben die alles drin, was wichtig ist.
00:39:36: Und ich höre auch immer wieder, da müssen sich meine Kinder nicht damit auseinandersetzen.
00:39:41: Dann haben die das schon.
00:39:42: Es ist nämlich schlimm genug.
00:39:44: Und deswegen komme ich jetzt wieder zurück auf Vorsorge.
00:39:49: Klärt es im Voraus und macht es wirklich.
00:39:53: Und aber auch solche Dinge wie Acht eine Liste mit Passwörtern, wo alles zu finden ist und sagt euren Hinterbliebenen, wo diese Ordner ist, am besten ein Vorsorgeordner.
00:40:04: Weil in dem Chaos, das entsteht, wenn ein Mensch stirbt, auch das ganze Behördliche, ist es oft noch der zusätzliche Albtraum, alles zusammenzusuchen, was benötigt ist oder eben Passwörter, damit man ans Konto kommt, solche Sachen.
00:40:22: Ja, klar, absolut.
00:40:24: Patricia.
00:40:25: Vielen Dank, Herr Snot, für diese Ausführungen, wenn jetzt jemand
00:40:29: hier zuhört
00:40:30: und sagt, ich möchte Patrizia gerne kontaktieren.
00:40:35: Frage Nummer eins, bist du reisefreudig?
00:40:39: Also wenn jetzt jemand aus Hamburg oder Berlin sagt, er möchte dich gerne einfliegen, machst du das auch?
00:40:44: Und ansonsten, wo findet man dich?
00:40:46: Wie kann man dich kontaktieren?
00:40:48: Also ja, ich bin absolut reisefreudig und ich nutze da eben auch moderne Technik, wo es geht.
00:40:53: Also da würden wir dann das Vorgespräch natürlich per Videocall führen und ich würde dann anreisen auf jeden Fall.
00:41:00: Und wie findet man mich am besten?
00:41:02: über meine Website?
00:41:04: Das ist trost-worte.com.
00:41:06: Also das Wort Trost, dann ein minus und worte.com.
00:41:12: Okay, verlinken wir auf jeden Fall auch in der Podcastbeschreibung.
00:41:16: Patricia, vielen Dank.
00:41:18: Ich fand das hoch spannend.
00:41:19: Das ist ein Thema, das man jeden Tag hat und es ist trotzdem so wichtig, weil es jeden irgendwann mal betrifft.
00:41:25: Und du hast als Podcast-Gast das letzte Wort.
00:41:30: Ja, danke dir sehr, dass ich hier sein durfte und vielleicht dem einen oder anderen ein bisschen Orientierung geben kann, weil wie du sagst, da haben die meisten Menschen nicht wirklich viele Berührungspunkte, bis es dann ernst wird.
00:41:47: Wenn es ernst ist, ist es ein schrecklicher Zeitpunkt.
00:41:52: Wenn man vorher schon ein bisschen Wissen hat, ist das schon gut.
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